Sonntag, 2.5.2021

Sonntag, 2.5.2021

Weil anorektische (= magersüchtige) Patienten direkte Körperinteraktionen eher ablehnen und generell taktile Reize scheuen, musste ein „unpersönliches“ Verfahren zur Körperstimulation gefunden werden. Ein maßgeschneiderter Neoprenanzug sollte durch die enge Passung einen dauerhaften „Grenzreiz“ an das Gehirn senden – wie eine zweite Haut. In der Tat hatte die Patientin innerhalb der 15-wöchigen Tragephase 2,5 Kilogramm zugenommen. Noch eindrucksvoller war jedoch die Beobachtung, dass sich hirnelektrische Aktivität über dem rechten parietalen Kortex, der für die Störung des Körperschemas verantwortlich ist, rapide verbesserte.
Martin Grunwald: Homo Hapticus, Seite 207

Es gibt viele verschiedene Körperschemastörungen, Magersucht ist nur eine von vielen. Interessant ist, dass Menschen, die davon betroffen sind, ihr oft drastisch verzerrtes Selbstbild nicht durch visuelle Eindrücke oder Feedback von anderen Menschen ändern. Häufig fehlt ihnen jegliche Krankheitseinsicht. Daher ist es besonders spannend, dass zum Beispiel durch einen Neoprenanzug erzeugte Berührungsreize diese verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körpers verbessern können.

Wie Menschen ihren Körper wahrnehmen, kann mithilfe von virtueller Realität (VR) für andere sichtbar gemacht werden:

Text: Natascha Plank
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