Psalm 62,2: „Bei Gott allein wird ruhig meine Seele, von ihm kommt mir Rettung“. Es geht nicht um Faulenzen oder Nichtstun, sondern um Ruhe als eine innere Stimmung, um eine nahezu paradiesische Verbindung von Schöpfer und Geschöpf, die Rettung und Hoffnung (Vers 6) bewirkt. In der profanen Welt der Philosophie und der Dichtung wurde diese Qualität oft als Muße beschrieben.

Was hat Menschen in biblischen Zeiten motiviert, freiwillig tagelange und anstrengende Märsche auf sich zu nehmen, um Jesus sehen zu können? „Viele Menschen aus Galiläa aber folgten ihm nach. Auch aus Judäa, aus Jerusalem und Idumäa, aus dem Gebiet jenseits des Jordan und aus der Gegend von Tyrus und Sidon kamen Scharen von Menschen zu ihm, als sie hörten, was er tat.“ (Markus 3,7-8) Was hat das Ziel so attraktiv gemacht, dass sie keine Kosten und Mühen gescheut haben, dorthin zu gelangen? Das Geheimnis lautete: „… als sie hörten, was er tat.“

Etwa zwei Drittel der Bevölkerung leiden unter zu viel Lärm. Die vielfachen negativen Auswirkungen dieser Situation werden immer intensiver erforscht. Immobilienmakler*innen wissen um den monetären Wert einer ruhigen Lage. Bis heute verstehe ich nicht, warum viele Lärm erregende Maschinen, Werkzeuge und Fahrzeuge noch immer verkauft und verwendet werden dürfen, obwohl es mittlerweile leisere Alternativen gibt.

Ich schaue ab und zu gerne alte Filme an und bin jedes Mal überrascht, wie langsam dabei viele Handlungen verlaufen (nicht nur beim Klassiker „Spiel mir das Lied vom Tod“). Dadurch wird mir das hohe Tempo moderner Blockbuster bewusst. Wer mit Kindern oder mit älteren Menschen zu tun hat, merkt, wie dieses hohe Tempo zu Überforderung und Überlastung führen kann. Schuhe anziehen, essen, ankleiden, waschen: Das braucht seine Zeit und lässt sich nicht beschleunigen.

Jesus war kein „Gschaftlhuber“ (österreichisch für „vielbeschäftigt“). Wer kennt nicht Leute, die unangenehm betriebsam sind und sich und ihren Aktivismus übertrieben wichtig nehmen. Wehe, man wagt sie zu kritisieren! „Was willst du denn, ich arbeite eh so viel!“, kommt dann meistens als Reaktion. Im Kontrast dazu war Jesus wie „ein Baum, gepflanzt am lebendigen Wasser“ (vgl. Psalm 1). So konnte er gute, ja göttliche Früchte tragen: Liebe, Frieden, Gerechtigkeit, Zärtlichkeit und Stärke. Schreit unsere heutige Welt nicht zum Himmel nach diesen Früchten?

Der kanadische Pastor Carey Nieuwhof musste sich gezwungenermaßen intensiv mit dem „zu viel, zu schnell und zu laut“ beschäftigen. Sein Arbeitsethos, sein Ehrgeiz und das schiere Arbeitsausmaß hatten ihn in einen Burnout getrieben. Dieser bedrohte nicht nur ihn persönlich und seine berufliche Tätigkeit, sondern auch seine Ehe und seine Familie.

Warum eigentlich? Wie wäre es, wenn Sie für jeden pastoralen Bereich eine klare Vision entwickeln, warum und wozu Sie etwas machen? Gemeinsam mit den jeweils Engagierten erarbeiten Sie dann eine realistische Strategie, also einen Weg, wie Sie diese Vision erreichen wollen. Sie nutzen dafür einfache, wirkungsvolle Werkzeuge und überprüfbare Kriterien. Diese Arbeitsweise treibt einen Kreislauf des Lernens an, der die Augen öffnet für eine ehrliche Analyse: Welche Aktivitäten sind fruchtlos geworden? Wie kann man Ziele besser erreichen?

Glauben Sie auch, dass Innovation (noch) mehr Arbeit macht? Und lässt Sie allein dieser Gedanke vor innovativen Ideen oder Prozessen zurückschrecken? Das wäre verständlich, denn viele leiden bereits jetzt unter ständiger Überforderung. Sie stöhnen unter dem „zu viel, zu schnell und zu laut“, wie ich es gerne ausdrücke. Sind das nicht Zeichen der Zeit, denen man sich kaum entziehen kann?